Wikinger LARP Kleidung für Herren, Damen & Kinder
Mein Weg zur richtigen Wikinger LARP Kleidung
Zwischen Nähmaschinen-Panik und Lederfett
Meine erste Begegnung mit Wikinger LARP Kleidung war ehrlich gesagt ein ziemlicher Reinfall. Ich hatte im Netz schnell irgendwas zusammengestellt, das so „halbwegs nordisch“ aussah. Alles war steif, kratzig oder unpraktisch. Die Gürtelschnalle rutschte ständig, das Hemd war nach drei Stunden durchgeschwitzt, und der Mantel hing wie ein Vorhang. Ich hab daraus gelernt – auf die harte Tour.
Mit jedem neuen LARP kam Erfahrung dazu. Ich hab genäht, geflucht, geflickt, verkauft, neu gekauft, angepasst und irgendwann verstanden: Kleidung fürs LARP muss nicht perfekt sein – aber sie muss zu dir und deinem Charakter passen.
Was macht Wikinger LARP Kleidung eigentlich aus?
Kein Verkleiden, sondern Darstellen
Ein Missverständnis sehe ich oft bei Anfängern: Sie denken, sie bräuchten ein „Kostüm“. Aber beim LARP geht’s nicht ums Verkleiden, sondern darum, in eine Rolle zu schlüpfen. Und dafür brauchst du eine Ausstattung, die diese Rolle glaubwürdig verkörpert.
Stell dir vor: Dein Charakter ist ein Schmied aus einem kleinen Dorf, rau und praktisch veranlagt. Dann passt eine schlichte Tunika aus grobem Leinen besser als ein farbenfrohes, fein besticktes Gewand. Andersherum – willst du einen Jarl spielen, darf’s ruhig aufwendiger sein: edle Stoffe, hochwertige Verzierungen, Fellbesätze, detailreicher Schmuck.
Die Kleidungsstücke im Detail
Tuniken – das Rückgrat der Darstellung
Ich hab bestimmt ein halbes Dutzend Tuniken im Schrank. Jede erfüllt einen anderen Zweck. Eine aus schwerer Wolle für kühle Abende, eine mit Stickerei für festliche Anlässe, eine kurze, schlichte zum Arbeiten oder Kämpfen.
Achte beim Kauf auf:
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Material: Wolle für außen, Leinen für drunter
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Schnitt: Lieber etwas zu weit als zu eng. Bewegungsfreiheit ist Gold wert
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Verzierung: Weniger ist oft mehr. Borten aus Brettchenwebung können viel ausmachen
Selbst nähen lohnt sich übrigens. Ich bin kein Meister an der Maschine, aber einfache Schnitte kriegt man schnell hin. Und du kannst alles auf deinen Charakter abstimmen.
Hosen – schlicht, aber wichtig
Wikingerhosen sind meistens recht simpel – und das ist gut so. Ich hab welche mit schmal zulaufenden Beinen, ideal für Wadenwickel. Und welche im Pluderhosenschnitt für kältere Tage, unter die man noch Unterwäsche ziehen kann.
Mein Tipp: Geh nicht zu modern ran. Keine sichtbaren Nähte, kein Reißverschluss. Ein Kordelzug oder schlichte Knöpfe reichen. Die Hose sollte dich nicht einengen – denk an Rennen, Sitzen, Kämpfen, Knien, Liegen.
Schuhe – oft unterschätzt, aber essenziell
Schuhe sind ein Thema für sich. Ich habe mir irgendwann maßgefertigte Wikinger-Schuhe aus Leder gegönnt. War teuer, hat sich aber hundertprozentig gelohnt.
Anfangs hatte ich einfache Mittelaltertreter mit Gummisohle – bequem, aber unpassend. Jetzt trage ich Modelle, die sich historisch an Fundstücken orientieren. Dünne Ledersohle, handgenäht, keine Schnallen, nur Riemen oder Knöpfe.
Pflege ist wichtig. Ich öle meine regelmäßig mit Lederfett – damit sie geschmeidig bleiben. Und ich hab mir eine Einlegesohle gebastelt, damit’s bei längeren Strecken nicht zur Tortur wird.
Accessoires mit Funktion
Gürtel und Gürteltaschen
Mein Standardgürtel ist aus dickem, braunem Rindsleder. Robust, schlicht, funktional. Daran hängt eine kleine Beuteltasche aus Leder – perfekt für Münzen, Würfel oder ein Feuerzeug (für Out-Time natürlich).
Ein Dolch in einer schlichten Lederscheide gehört meistens auch dazu. Und manchmal ein Trinkhorn. Achte darauf, wie du es befestigst – ich hab meins einmal zu locker getragen und es fiel mitten im Spiel klirrend zu Boden.
Fibeln und Broschen
Ich hatte lange keine Ahnung, wie man einen Mantel richtig schließt. Dann hab ich mir eine Scheibenfibel gegönnt. Seitdem sitzt alles besser – und sie sieht gut aus. Es gibt viele Formen: Oval, rund, Tiermotive. Ich trag sie gerne asymmetrisch, das wirkt natürlicher.
Farben und Stilrichtungen
Ich hab’s ausprobiert – von grellrot bis erdfarben. Und ehrlich: Authentisch wirkt’s nur mit gedeckten Tönen. Braun, Ocker, Grau, Moosgrün, dunkles Blau – das passt zur nordischen Atmosphäre.
Kräftige Farben wie Purpur oder Saphirblau kann man nutzen, aber eher gezielt. Vielleicht für einen Jarl, eine Seherin oder jemanden, der etwas auf sich hält. Für einfache Leute passen natürliche Farben deutlich besser.
Muster? Weniger ist mehr. Geometrische Formen, einfache Ranken, keine floralen Bordüren aus dem 18. Jahrhundert. Es soll wirken, als könnte es jemand damals wirklich getragen haben.
Wetterfest im LARP – kein Scherz
Ich hab schon im Regen gecampt, im Matsch gekämpft, in der Kälte gewartet. Deine Kleidung muss das aushalten. Ich nutze Wachstücher für empfindliche Stellen, habe mir Fellkrägen besorgt, trage Fingerhandschuhe aus Leder oder Wolle.
Nichts ist schlimmer als durchnässt im Zelt zu sitzen und zu frieren. Deswegen: Immer Ersatz mitnehmen. Ich hab immer eine zweite Tunika im Beutel, ein Tuch zum Umlegen und ein Paar Wollsocken auf Reserve.
Pflege: Deine Kleidung lebt mit dir
Ich hab früher alles nach jedem Event gewaschen. Falsch. Wolle lüftet man am besten nur aus. Leinen kann in die Maschine, aber sparsam. Ledersachen regelmäßig einfetten. Knöpfe kontrollieren, Fäden nachziehen. Wer gut pflegt, hat länger was davon – und es sieht mit der Zeit sogar besser aus.
Kleidung im Wandel – vom Anfänger zum erfahrenen LARPer
Erste Events, erste Fehler
Wenn ich auf mein erstes Jahr im LARP zurückblicke, dann sehe ich vor allem eins: viele Fehlkäufe. Ich dachte, eine dicke Gürteltasche sei praktisch. War sie auch – leider mit Klettverschluss. Ich wollte aussehen wie ein Krieger – landete aber optisch irgendwo zwischen Räuber Hotzenplotz und Westernheld. Damals wusste ich nicht, worauf es wirklich ankommt.
Mit jedem Event habe ich gelernt: Gutes LARP-Gewand wächst mit der Rolle. Anfangs brauchst du nur das Nötigste, aber mit der Zeit entwickeln sich Stil, Details und Qualität ganz von selbst – wenn man hinschaut, zuhört und ausprobiert.
Die Sache mit der Glaubwürdigkeit
Charakter, Kleidung, Körpersprache
Was viele unterschätzen: Kleidung allein macht noch keinen überzeugenden Charakter. Es wirkt erst richtig, wenn alles zusammenpasst. Wenn dein Gewand benutzt aussieht, deine Bewegungen stimmig sind, dein Verhalten zur Figur passt.
Ich erinnere mich an eine Szene auf einem Winter-LARP: Ein Spieler hatte eine einfache, graue Tunika an, sah fast ärmlich aus. Aber er spielte so überzeugend, so still und ernst, dass ich ihm den weisen Fischer aus dem Norden sofort abgenommen habe. Und das nur durch Kleidung, Haltung und Sprache.
Waffen, Schilde, Ausrüstung – Teil des Gesamtbilds
Keine Showwaffen, sondern Spielgeräte
Ich habe lange gezögert, mir ein eigenes Schwert zu kaufen. Und dann den Fehler gemacht, nur auf Optik zu achten. Schön war’s – aber es war zu schwer, zu unhandlich, schlecht gewichtet. Erst nach einem Gespräch mit einem erfahrenen NSC habe ich gelernt: Gute LARP-Waffen sind nicht nur Requisite, sie sind Werkzeug.
Achte auf:
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Stabiles Innenleben (Glasfaser, nicht Carbon)
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Robuste, aber weiche Schaumstoffschicht
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Keine unnötig breiten Parierstangen
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Griffpolsterung!
Mein aktuelles Lieblingsstück ist ein 85cm langes Einhandschwert mit Ledergriff, schlicht und funktional. Passt perfekt zum Setting und fühlt sich auch nach Stunden noch gut an.
Der Schild: Schutz und Stilmittel
Nicht jeder Charakter braucht einen Schild – aber wenn du einen trägst, sollte er zur Rolle passen. Ich nutze einen Rundschild mit Holzoptik, Leinenbespannung und Lederriemen. Kein Plastik, keine metallenen Schrauben. Und vor allem: keine Comicsymbole, Runen oder Muster, die man „cool“ findet, aber nicht ins Setting passen.
Schilde sagen viel über einen Charakter. Ein verbeulter, abgegriffener Schild erzählt eine Geschichte. Nutze das.
LARP-Kleidung selbst herstellen – eine Reise für sich
Nähen, Färben, Basteln
Ich bin nicht handwerklich begabt. Aber ich hab mir trotzdem irgendwann eine Nähmaschine geholt und angefangen, einfache Sachen selbst zu machen. Eine Untertunika, ein Gürtelbeutel, eine Haube – mehr schlecht als recht, aber selbstgemacht. Und das merkt man. Die Kleidung wirkt echter. Sie sitzt anders. Und du entwickelst ein ganz anderes Verhältnis dazu.
Ich kann nur empfehlen: Trau dich. Es gibt viele gute Schnittmuster online. Und Leinenstoffe bekommt man günstig, wenn man ein wenig sucht. Du musst kein Schneider sein – du musst nur anfangen.
Ein Beispiel: Ich habe mal eine Tunika aus einem alten Vorhang gemacht. Ja, wirklich. Dicker Stoff, schöne Struktur. Bisschen dunkelbraun gefärbt, Kanten umgenäht, Borte dran – fertig war das Lieblingsstück.
Lagerleben und Kleidung – was du wirklich brauchst
Alltagstauglich trotz Fantasy
Wenn du länger als einen Tag spielst, brauchst du Kleidung, die auch außerhalb des Spiels funktioniert. Ich hab mir irgendwann angewöhnt, immer eine „Lagerhose“ einzupacken – weit, bequem, unauffällig. Damit kannst du Holz holen, Feuer machen, Zelte aufbauen, ohne Angst um deine Spielkleidung zu haben.
Auch praktisch: ein Umhang aus dicker Wolle. Nicht nur wegen Wetter, sondern auch, weil man sich darunter umziehen, verstecken, aufwärmen oder trocken sitzen kann. Ich hab meinen selbst mit einem einfachen Mantelverschluss aus Horn versehen. Hält seit Jahren.
Kopfbedeckung und Schutz gegen die Elemente
Mützen, Hauben, Stirnbänder
Kopfbedeckungen sieht man selten, dabei machen sie optisch enorm viel aus. Eine einfache Leinenhaube schützt vor Sonne. Ein Wollhut vor Regen. Ein Stirnband hält die Haare zusammen und macht den Look runder.
Ich trage bei kühleren Events oft eine einfache Mütze aus dunkelgrauer Wolle, mit aufgenähter Borte. Selbstgenäht, schnell gemacht, super Effekt. Und warm. Mehr braucht es nicht.
So vermeidest du typische Anfängerfehler
Die schlimmsten Schnitzer, die ich selbst gemacht habe
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Moderne Schuhe tragen: Nichts killt die Immersion schneller als Nike-Schuhe unter dem Mantel. Lieber einfache, flache Lederschuhe oder sogar Barfuß mit Stoffwickeln.
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Viel zu viele Accessoires: Gürtel, drei Taschen, vier Trinkhörner, ein Beutel mit Runensteinen, ein Umhang mit Fibel und Brosche – und dann noch ein Zelt im Rücken? Lieber zurückhaltend bleiben. Zeig nur, was wirklich gebraucht wird.
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Polyester!: Glänzt, stinkt, klebt. Lass es. Lieber günstiges Leinen oder Wolle – das fühlt sich nicht nur besser an, es sieht auch echter aus.
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Unpassende Farben: Neonfarben, reinweiß, knallblau? Nein. Kein Wikinger trug sowas.
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Zu viel „Design“: Lass Runen, Totenschädel und Tribal-Muster weg, es sei denn, sie haben eine Bedeutung für deinen Charakter. Weniger ist glaubwürdiger.
Kleidung transportieren und lagern
Praktisch und rollenspielgerecht
Ich benutze eine einfache Leinentasche mit Holzgriffen für meine Grundausstattung. Innen drin: Kleidung, Ersatzteile, kleine Nähbox, Seife, Wachs, Schnur. Das Ding sieht aus wie aus dem Fundus eines Museums, ist aber voll alltagstauglich.
Für größere Dinge: Eine Kiste aus Holz, selbst gebaut. Oben drauf ein Schaffell, das ich auch im Zelt benutze. So bleibt alles stilgerecht und nutzbar.
Nach dem Event:
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Auslüften, nicht sofort waschen
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Trocknen lassen, auch wenn’s nicht feucht war
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Alles auf kleine Schäden checken
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Nur waschen, wenn’s wirklich nötig ist
Inspiration finden – aber mit Maß
Filme, Serien, Bücher, Museen
Ja, „Vikings“ sieht cool aus. Aber wenn du so aufs LARP gehst, wirkst du wie ein Fernsehcharakter. Ich habe viel mehr gelernt, als ich mir Ausstellungen angeschaut habe, alte Textquellen gelesen, Fundstücke angesehen. Daraus ziehst du echte Inspiration.
Mein Rat: Sammle Bilder. Mach dir ein Pinterest-Board oder eine Galerie. Aber mische nicht wild. Halte dich an eine Region, eine Zeit, einen Stil. So bleibt dein Look konsistent und glaubwürdig.
Kleidung als Teil der Charakterentwicklung
Kleidung verändert deine Rolle
Ich hatte einmal einen Charakter, der sich im Laufe des Spiels vom Söldner zum Heerführer entwickelte. Und mit ihm veränderte sich auch seine Kleidung. Aus der schlichten Tunika wurde ein Gewand mit edleren Stoffen, aus dem einfachen Gürtel ein kunstvoller Waffengurt.
Das war keine Show – das war Entwicklung. Die anderen Spieler haben das gemerkt. Kleidung ist nicht nur „Dekoration“, sie erzählt deine Geschichte.
Abschlussgedanken
Wenn du dich an Wikinger LARP Kleidung heranwagst, sei geduldig mit dir. Du wirst Fehler machen, Sachen wegwerfen, umdenken, lernen. Und irgendwann hast du ein Gewand, das zu dir passt – weil du es gewachsen bist.
Vertrau auf dein Gefühl. Orientier dich an deinem Charakter, nicht an Instagram-Posts. Und frag andere. Die LARP-Community ist meistens hilfsbereit, ehrlich und offen.
Du brauchst keine perfekte Rüstung oder teure Maßanfertigung. Du brauchst Kleidung, in der du deinen Charakter leben kannst.
Fazit: Weniger Show, mehr Substanz
Wikinger LARP Kleidung ist kein Modewettbewerb. Es geht darum, deinen Charakter glaubwürdig zu zeigen. Du musst kein Museumsstück tragen, aber was du trägst, sollte Sinn ergeben – für dich, für dein Spiel und für deine Rolle.
Meine Empfehlung? Starte schlicht, entwickle deine Kleidung weiter – mit jeder Veranstaltung. Hol dir Feedback, probiere Neues aus, sei bereit, auch mal etwas selbst zu machen.
Und vor allem: Trag deine Kleidung mit Überzeugung. Dann merkt man dir die Rolle ab – ganz ohne Worte.